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Berufe in der Wandlung: Von der Industrialisierung bis heute
Geschrieben von michweiss am Freitag, 17. Oktober 2008
Büro, Schule und Bildung

Bis zum achtzehnten Jahrhundert erlangten die meisten Personen ihren Lebensunterhalt als Selbstständige durch Agrikultur und durch Züchten der Tiere. Mit dem Beginn der Industrialisierung und die damit einhergehende Entfaltung der Arbeitsteilung änderte sich dieser Zustand.


Die Entstehung des non-primären Wirtschaftssektors der damaligen Industrie (und anschließend auch des tertiären Sektors Dienstleistungen) führten zu einer großen Veränderung in der Geschäftswelt. Mit den Jahren entstand eine Arbeiterschicht, welche als angewiesene Arbeiter bei einem Betrieb beschäftigt waren und für ihre Leistung durch Geldleistungen belohnt wurden. In Deutschland optimierten sich die gerade zu Beginn der Industrialisierung doch ziemlich schlechten Arbeitsumstände durch Arbeitnehmerorganisationen, tarifliche Verträge und vom Staat festgelegte Schutzvorschriften wie zum Beispiel Kündigungsschutz. Mit den Veränderungen der Arbeitsumstände ging nach 1918 auch ein Wachstum der Sicherheit des Arbeitsplatzes einher. Daher war es zu Zeiten des sogenannten Wirtschaftswunders in der Bundesrepublik ab den fünfziger Jahren keine Seltenheit, wenn ein Bediensteter über mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte bei einer Firma beschäftigt war oder gar sein ganzes Leben hindurch bis zum Beginn seines Ruhestands immer in dem gleichen Betrieb arbeitete. Dementsprechend wurden mit den Bediensteten öfters strikte Verträge ohne Befristung abgeschlossen, wodurch die Bediensteter eine wichtige Planungs- und Arbeitsplatzsicherheit erlangten. Der Abschluss des Rüstungskrieges zwischen Ost und West und der Beginn der des globalen Marktes verursachten wichtige Erneuerungen für die Handelswelt der Industriestaaten in Europa und besonders für die Wirtschaft in Deutschland und den deutschen Arbeitsmarkt mit sich. Da Deutschland ein Hochlohnland ist und die Löhne der Arbeiter in Osteuropa und den asiatischen Staaten wesentlich niedriger sind, wurde ein flexibleres Angehen im Personalbereich für Betrieb besonders wichtig, weshalb determinierte Arbeitsverträge und Zeitarbeit an Bedeutung gewannen und die Personalfluktuation in den jeweiligen Firmen in die Höhe stieg. Aufgrund der hohen Löhne der Arbeiter und einigen gesetzlichen Hürden wie zum Beispiel dem vielfach erörterten Kündigungsschutz stellten Betrieb neue Bewerber oftmals nur noch befristet ein oder es gab ganz einen Verzicht auf Schaffung neuer Stellen. In Deutschland führte ein solches Unterfangen zu einem enormen Anstieg der Nichtbeschäftigten auf mehr als 5 Millionen Personen.In Deutschland bemühte sich die rot-grüne Bundesregierung während der sogenannten Rezessionsjahre ab 2001, die Nichtbeschäftigten anzugehen und die Konjunktur anzukurbeln. Dafür wurden die sogenannten Agenda 2010 und die Hartz-Reformen konstruiert, welche unter anderem eine Stärkung der Zeitarbeit durch den Rückgang von strengen Richtlinien wie zum Beispiel einer höchstmöglichen Überlassungszeit organisieren sollten. Für die Arbeitgeber hat Zeitarbeit den Nutzen, dass bei besonders hoher Erschöpfung eines Unternehmens über Zeitarbeitsfirmen schnell Bewerber rekrutiert werden können. Solche Arbeiter sind bei der Firma für Zeitarbeit beschäftigt und werden von ihr bezahlt. Wenn die Arbeit in dem vermittelnden Unternehmen niedriger wird, muss der Arbeiter nicht weiter von dieser Produktionsstätte beschäftigt werden und die Firma für Zeitarbeit sucht eine neue Firma für ihn. Die Personallogistik liegt in der Kraft der Zeitarbeitsfirma. Der größte Nutzen für den Arbeiter ist, dass er das Stadium der Nichtbeschäftigten hinter sich lässt, praktische Erfahrungen sammelt und bei zufriedenstellender Leistung unter Umständen auch Aussicht auf eine Einstellung und damit eine Festanstellung in einem Betrieb erlangt. Der Bereich Zeitarbeit und Personaldienstleistung gewann wegen der Lockerung staatlicher Gesetze somit wesentlich an Attraktivität, was zur Konsequenz hatte, dass mehrere Betrieb seit mehreren Jahren alternierend zur sogenannten Stammbelegschaft vermehrt auf Arbeiter zurückkommen. Somit trug auch die Zeitarbeit Deutschland seinen Teil zum merklichen Rückgang der Nichtbeschäftigten seit dem Jahr 2006 bei.

Ralph Schuenemann
Ralph.Schuenemann@googlemail.com

 
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